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Bild: (c) foto-nusterer.at

Anatol weiß: Immer heiratet man eine andere

 

Helga David inszeniert auf Schloss Wartholz in Reichenau mit viel Gespür Einakter von Schnitzler.

 

„Nun, man heiratet immer eine andere.“ Es ist einer dieser gnadenlosen Schnitzler-Sätze. Messerscharf schneidet er, aus dem Nichts kommend, in den Dialog Anatols (Christian Kainradl) mit Max (Wolfgang Lesky), der treffend feststellt, dass Anatol schon früh beginnt, seine Frau zu betrügen. Nur Stunden vor der Hochzeit nämlich. Es ist einer jener Sätze, für die allein sich der Besuch eines Stücks lohnt, und Kainradl spricht ihn so bestürzend normal, dass es einen auch im Hochsommer fröstelt hier im Literatursalon von Schloss Wartholz zu Reichenau, wo „Das Bacchusfest“ und „Anatols Hochzeitsmorgen“ am Donnerstag unter der Regie Helga Davids Premiere hatte.

Die Kombination offenbart die Facetten, die Schnitzler seinem Lebensthema Seitensprung abgewinnen konnte. In beiden Fällen finden die Fremdgeher wieder zum Gespons zurück, in beiden Fällen lässt Schnitzler keinen Zweifel daran, dass die Ehekatastrophe gerade erst so richtig begonnen hat, doch könnte der Verlauf unterschiedlicher nicht sein. Reicht dem begrenzt stabilen Anatol ein Moment der optischen Trennung von seinem ungarischen Gspusi Ilona, das er en passent abserviert (vorerst), so bedarf es bei Agnes Staufer im „Bacchusfest“ einer ausgewachsenen dramatischen Zuspitzung, dass sie zum Gatten zurückkehrt – vorerst.

/ Bild: (c) foto-nusterer.at

Lindenberg beherrscht die Szene

 

Clemens Aap Lindenberg ist als Felix Staufner ideal besetzt, mit seiner ungeheuren Bühnenpräsenz und mimischen Intensität beherrscht er die Szenerie sofort, und es ist klar, dass Agnes in seinen Orbit zurückkehren wird. Das lässt sich auch ganz wunderbar am subtil-nervösen Mienenspiel Katharina von Harsdorfs ablesen. Dem gerade noch so forschen Herrn Doktor (sehr wandlungsfähig: Wolfgang Lesky) bleibt nur mehr, sich schmähstad am vom Rivalen generös bezahlten Gugelhupf gütlich zu tun. Zur perfekten Erniedrigung muss er auch noch Danke sagen. Wobei sie einander so unähnlich nicht sind: Beiden ist Agnes ein Objekt, über das sie bestimmen, nein, herrschen wollen. Ein Rat für Agnes könnte nur lauten: keinen von beiden. Aber Schnitzler wäre nicht Schnitzler, gäbe es eine Alternative. Weniger Sorgen muss man sich um Anatols Ilona machen, von Sophie Aujesky angemessen feurig in Szene gesetzt. Ihr „ungorisches Akzänt“ überschreitet zwar die Grenze zur Karikatur, doch das fordert Schnitzlers Text ja.

Was Schnitzler aber vor allem fordert: bestes Schauspielertheater. Und das hat Helga David auch an ihrer neuen Spielstätte mit untrüglichem Gespür für den Schnitzler-Ton auf die Bühne gestellt.
Termine: www.schnitzlerimschloss.at

 

Von Helmar Dumbs, 18.07.2015, Die Presse

 

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